Schlossleuchten auf Schloss Drachenburg

Schloss Drachenburg

Nachdem wir im vergangenen Sommer schon einmal das Schloss Drachenburg in Königswinter besichtigt haben und hellauf begeistert waren stand für uns fest, dass wir uns das Schlossleuchten auf jeden Fall nicht entgehen lassen wollen.

Schloss Drachenburg
Schloss Drachenburg

Nun gut, strenggenommen ist das Schloss Drachenburg gar kein richtiges Schloss, richtiger wäre ein schlossartiges Anwesen denn im Grunde handelt es sich bei dem Gebäude um eine Villa aus der Gründerzeit.
Von Baron Stephan Sarter, einem Börsenmarkler aus Bonn in Rekordzeit von 1882 bis 1884 am Fuße des Drachenfels in Königswinter errichtet hat das Gebäude in seinen gerade einmal 133 Jahren eine sehr wechselhafte Zeit durchlebt.

Schloss Drachenburg
Schloss Drachenburg

Der erbauer Stephan von Sarter, welcher aus einfachen verhältnissen einer bonner Familie stammte und an der Börse in Paris zu Geld und Ansehen  kam baute das Schloss um dort mit einer alten Jugendliebe einzuziehen. Bedauerlicherweise kam es dazu nie, denn die Auserwählte verstarb schon vor Fertigstellung des Anwesens. Somit hat Sarter seine Villa nie selbst bewohnt, er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1902 in Paris. Der Bau hat Ihn 1,7 Mio. Mark gekostet.

Haupttreppenhaus auf Schloss Drachenburg
Haupttreppenhaus auf Schloss Drachenburg

Nach Sarters Tod erwarb ein Neffe dessen das Anwesen für 950.000 Mark und machte das Schloss zum ersten mal für die Offentlichkeit zugänglich. Gegen den Obulus von 0,50 Mark konnte man das Anwesen besichtigen. Auch ließ er Teile des Schlosses zum ersten mal umbauen. So entstand zum Beispiel ein Restaurant im Untergeschoss des Gebäudes und einige Blockhäuser zur unterbringung der Besucher im Schlossgarten.

Schloss Drachenburg mit Park

Nach zwei weiteren Besitzerwechseln wurde das Schloss anschließend im Jahr 1931 in eine katholische Internatschule umgewandelt. Dabei wurden große Teile des Inventars versteigert und gingen damit für immer verloren. Auch die Räumlichkeiten wurden umfangreich umgebaut. Aus den Wohnräumen im Obergeschoss wurden Klassenzimmer und die Kunsthalle wurde als Kapelle umfunktioniert. Die prunkvollen Wandbemalungen wurden weitestgehend übermalt, da sich diese nicht mit den Grundsätzen des Ordens vereinbaren ließen.

Kunsthalle auf Schloss Drachenburg
Kunsthalle auf Schloss Drachenburg

Ab 1940 begann die aus meiner sicht dunkelste Zeit des Anwesens. Mit dem Verkauf des Anwesens an die Deutsche Arbeitsfront für 600.000 Reichsmark wurde dort eine Adolf- Hitler- Schule zur Ausbildung nationalsozialistischer Führungskräfte angesiedelt, welches wiederum mit einigen Umbaumaßnahmen an der Bausubstanz einherging. Der Park wurde zur militärischen Ausbildung der Schüler umgestaltet.
In den Kriegswirren im Jahr 1945 wurde das Schloss schwer beschädigt. Die Einschusslöcher kann man auf der dem Rhein zugewanten Seite noch bis heute erkennen. In dieser Zeit wurde auch die Kuppel der Kunsthalle und die kostbaren Buntglasfenster zerstört.

Bäume im Park
Bäume im Park

Im März 1945 wurde das Gebäude von den alliierten Streitkräften kampflos eingenommen. Diese richteten dort zunächst ihr Oberkommando ein, später wurden Flüchtlinge dort untergebracht. In dieser Zeit haben vor allem die noch vorhandenen Wandbilder gelitten. Die auf Leinwand gemalten Bilder wurden einfach aus den halterungen herausgeschnitten und entwendet.

Zimmer auf Schloss Drachenburg
Zimmer auf Schloss Drachenburg

Im Jahre 1948 wurden die Kriegsschäden notdrüftig instandgesetzt. Die Kunsthalle erhiert ein Notdach und die Ostfront wurde zugemauert. Danach zog die Reichsbahnzentralschule dort ein. In der Kunsthalle wurde dazu ein Übungsstellwerk eingebaut.

Park von Schloss Drachenburg
Park von Schloss Drachenburg

In der Zwischenzeit ging das Anwesen in den Besitz des Landes NRW über, da die Schulbrüder auf Ihre Rückerstattungsansprüche verzichteten. Die Bundesbahn verlege 1960 die Schule, worauf das Gebäude mangels Interesse leer stand und immer weiter verfiel.  Es war sogar zeitweise dem Abriss freigegeben und sollte einem Bürogebäude weichen. Nur dem aufdringlichen Protesten von Denkmalschutz und einigen Einheimischen ist es zu verdanken dass es nicht dazu kam. So wurde die Anlage weiter dem Verfall überlassen, was der übriggebliebenen Einrichtung sicherlich nicht zu gute kam.

Drache im Park
Drache im Park

Ab 1971 ging es dann wieder aufwärts mit dem Anwesen. Ein Privatmann namens Paul Spinat erwarb die inzwischen sehr heruntergekommene Immobilie für den Spottpreis von 500.000 DM und begann das Gebäudeensemble zu renovieren. Laut seinen Angaben steckte er neben dem Kaufpreis noch einmal mehrere Millionen DM in das Vorhaben, ehe er es 1973 wieder der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Dabei hatte er seinen ganz eigenen Stil. Die fehlenden oder beschädigten Wandmalereien ließ er von jungen Künstlern ersetzen, das ergebnis kann man auch heute noch in einigen Räumen erkennen. Ein besonderen Highlight seines individuellen Schaffens ist definitiv die Orgel im Musiksal, auf der er regelmäßig „Konzerte“ gab. In Wirklichkeit ist das Instrument unbespielbar und er hatte lediglich ein Playback zu einem Tonbandgerät geben. Irgendwie skurril.
Die Orgel ist übrigens als relikt von Paul Spinat erhalten geblieben.

Zimmer auf Schloss Drachenburg
Zimmer auf Schloss Drachenburg

Anfang der Achtziger ging dann langsam das Geld des erfinderischen Schlossherrn zu neige und die Schulden wuchsen Ihm trotz Konzerten und Kunstausstellungen über den Kopf, sodass letztenendes die Immobilie ein letztes mal den Besitzer wechselte. Das Land NRW kaufte die Anlage, die zwichenzeitlich endlich unter Denkmalschutz gestellt wurde für den stolzen Preis von 8 Mio. DM und übertrug sie an die NRW- Stiftung. Das wohl größte Vermächtniss von Paul Spinat war das gesamte Schloss vor dem Verfall bewahrt zu haben.

Südanschicht von Schloss Drachenburg
Südanschicht von Schloss Drachenburg

Der neue Eigentümer, die NRW- Stiftung begann von nun an mit Unterstützung der Stadt Königswinter und dem Land NRW das Anwesen zu sanieren. Wobei natürlich der Hauptaspekt zum ersten mal in der Geschichte auf dem Denkmalschutz und der Wiederherstellung des ursprünglich von Stephan Sarter erbauten Zustandes gelegt wurden. Mit der eigentlichen Renovierung wurde erst im Jahre 1994 begonnen, vorhergegangen sind umfangreiche Untersuchungen und Analysen des Parks und der Gebäude. Nach einer Dauer von sage und schreibe 16 Jahren wurde das Schloss am 3. Juni 2010 wiedereröffnet. Leider konnten aus finanziellen Gründen die bunten Bleiglasfenster auf der Rhein- Seite nicht komplett wiederhergestellt werden. Die Originalpläne sind jedoch zum Glück noch bei der Hofglasmalerei in München vorhanden. Sollte also noch jemand einen kleinen Obulus in der Portokasse haben, so wird sich die NRW- Stiftung sicherlich über eine Zuwendung freuen.

Hirsch auf der Südterasse
Hirsch auf der Südterasse

Ich kann den Besuch des Schlosses auf jeden fall allen nur wärmstens ans Herz legen, es lohnt sich wirklich. Zusammen mit einer Fahrt der Drachenfelsbahn auf den gleichnahmigen Berg ist es ein idealer Tagesausflug, auch wenn es nicht bunt angestrahlt wird.
Wer sich die Geschichte noch genauer durchlesen möchte kann dies bei Wikipedia tun.

 

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